Shopping analog oder digital?

Wie viele andere Lebens- und Arbeitsbereiche verändert sich auch der Handel durch die Digitalisierung stark. Einerseits stehen Online-Plattformen in Konkurrenz zum stationären Handel, andererseits bieten sie uns allen attraktive Einkaufsmöglichkeiten.

Dinge des täglichen Lebens online bestellen zu können, hat viele Vorteile: Es sind im Netz neue Informations- und Vergleichsmöglichkeiten entstanden. Und oft ist es eben auch deutlich zeitsparender, online zu bestellen als vor Ort einzukaufen. Ein Nachteil: Viele stationäre Händlerinnen und Händler haben mit Einnahmenverlusten zu kämpfen. Und auch aus Sicht der Stadtentwicklung ist der Onlinehandel eine Herausforderung, wenn er in der Folge zu Geschäftsschließungen und Leerständen in den Städten und Gemeinden führt. Kern einer belebten und attraktiven Innenstadt sind schließlich große und kleine Läden mit Angeboten für Jung und Alt.

Und die Digitalisierung ist nicht der einzige Trend, der sich auf den Handel auswirkt. Wenn in einzelnen Stadtteilen und kleineren Orten der letzte Supermarkt, die letzte Apotheke, die letzte Bankfiliale oder die letzte Bäckerei schließen, dann hat dies auch mit demografischen Entwicklungen zu tun. Der Rückgang der Bevölkerung führt in vielen Orten dazu, dass Einkaufsmöglichkeiten als Teil einer grundlegenden Infrastruktur wegbrechen, da sie nicht mehr rentabel aufrecht zu erhalten sind. Dinge des täglichen Bedarfs online bestellen zu können, wäre eine Alternative für die dort lebenden Menschen – vorausgesetzt, sie sind digital kompetent und können digitale Services sicher und souverän nutzen. Und vorausgesetzt, sie haben Zugang zu einem schnellen Netz – was nach wie vor in vielen Regionen immer noch nicht der Fall ist.

Shopping analog und digital!

Wie also kann, wie muss sich der Handel weiterentwickeln – online oder stationär? Wie so oft, ist das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Laut Online-Monitor 2017 des IFH Köln für den Handelsverband Deutschland wächst der Online-Markt mit 10,5 Prozent stärker als erwartet; bei 48,9 Milliarden Euro lag das Volumen 2017. Und auch wenn sich die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich entwickeln, ergänzt der Handel seine stationären Angebote zunehmend im Netz. Ein Großteil der Gewinne wird – wie nicht anders zu erwarten – über die großen Bestell-Plattformen erzielt. Aber auch im Bereich des lokalen und spezialisierten Einzelhandels gibt es bereits spannende Kooperationen mit dem Ziel, die eigenen Angebote sowohl stationär als auch online anbieten zu können.

Das Einkaufsverhalten verändert sich: Menschen, die traditionell im Handel vor Ort kaufen, werden weniger. Menschen, die ausschließlich im Netz kaufen, nehmen dagegen zu. Und dazwischen die Gruppe der sogenannten „selektiven Online-Shopper“, die mal im Netz, mal vor Ort kaufen. Gerade für die letzte Gruppe sind lokale Angebote interessant, die analog und digital miteinander verknüpfen und verschiedene Kanäle nutzen. Auf die ganz unterschiedlichen Bedarfe ihrer Kundinnen und Kunden einzugehen, muss Grundlage einer zukunftsorientierten Angebotsentwicklung sein. Als Kundin möchte ich mich online vorab über Produkte und Geschäfte in meiner Stadt informieren können. Online dann direkt zu bestellen und meine Ware im Geschäft selbst abzuholen, wann es passt, bietet mir einen guten Service und dem jeweiligen Geschäft Besuche vor Ort.

 

Beispiele für die Verknüpfung von stationärem und Online-Handel

Für viele Einzelhändler*innen ist der Einstieg in den Onlinehandel nicht einfach. Services und Vertriebsstrukturen müssen verändert werden, digitale Infrastrukturen sowie digitale Kompetenzen aufgebaut werden. Es fehlen häufig das Geld für notwendige Investitionen und Erfahrungen mit dem Onlinehandel. Es gibt aber auch schon viele, die sich auf den Weg gemacht und Erfahrungen mit digitalen Angeboten und Services oder kooperativen Verkaufsplattformen gesammelt haben:

  • Die IHK Düsseldorf hat in ihrem Einzugsbereich in großen und kleinen Städten eine Befragung durchgeführt: Ob Brillen, Naturkost oder Laminat – für viele Einzelhändler*innen ist der Onlinehandel als Ergänzung zum stationären Handel ein immer wichtigeres Standbein.

 

  • In Rheinland-Pfalz wurde im Projekt Digitale Dörfer eine BestellBar entwickelt: Einzelhändler*innen der Region bieten auf einer gemeinsamen Webseite ihre Produkte an, die online bestellt werden können. Die Waren können dann persönlich abgeholt oder alternativ von Freiwilligen oder professionellen Kurieren vorbeigebracht werden.

 

  • Und welches Potenzial in der Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und Handel vor Ort liegt, zeigt die App Mein Moers, entwickelt von einem 16-jährigen Schüler, der sich bei der Initiative Code for Niederrhein engagiert. Neben Parkplätzen und Veranstaltungen bietet die App einen virtuellen Stadtrundgang an, der auch die Geschäfte vor Ort einschließlich ihrer Öffnungszeiten anzeigt.

Diese drei Projekte zeigen beispielhaft, welches Potenzial in der Verknüpfung von Online und stationärem Handel steckt. Und welchen Beitrag sie damit für lebhafte und attraktive Innenstädte leisten können.

 

 



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