5 Gründe für digitale Strategien in Kommunen

Der digitale Vordenker und Bestsellerautor Christoph Keese bringt es auf den Punkt: In seinem neuen Buch „Disrupt yourself“ legt er dar, dass der heute 30-Jährige die vollen Auswirkungen der Digitalisierung,  Automatisierung und des Einsatzes der Künstlichen Intelligenz während seines Berufslebens erleben werde. Und bei den heute 50-Jährigen sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich ihr Beruf bis zur Rente erheblich verändern werde.

Alle Menschen leben in Kommunen und werden von dieser digitalen Revolution erfasst. Sollen sie nicht von ihr überrollt werden, so bedarf es der strategischen Gestaltung durch die Kommunalpolitik. Über 90 % der Kommunen schätzten in einer Umfrage des Deutschen Städte- und Gemeindebundes 2018 den Mehrwert der Digitalisierung als „hoch“ bis „sehr hoch“ ein. Allerdings zeigte sich in dieser Umfrage auch die fehlende strategische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Nur 10 % der Kommunen schätzten ihren Digitalisierungsstand als „gut“ ein. Fast die Hälfte (47%) hatte bis dahin noch keine Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Im Wesentlichen gibt es fünf Gründe, warum Kommunen eine digitale Agenda erarbeiten sollten.

1. Kommunen müssen eine Perspektive für die Menschen und Unternehmen geben

In den Städten gilt es, die Überforderung des Wohnungsmarktes, des Verkehrswesens oder der Energieversorgung etc. zu vermeiden, die beispielsweise durch Landflucht oder Immigrationsdruck entstanden ist. Für ländliche Regionen stellt sich die Aufgabe, die Landflucht durch attraktive digitale Infrastrukturen und Angebote in den Griff zu bekommen, Städter zur Rückkehr oder zur Ansiedlung zu bewegen und die Daseinsvorsorge in operativer Exzellenz und kundenorientiert zu organisieren.

2. Eine digitale Agenda ist ein politisch-strategisches Innovationsprogramm

Eine digitale Agenda erhöht die Lebens-, Arbeits- und Aufenthaltsqualität einer Stadt, wenn die Vorteile der Digitalisierung erkannt und ausgenutzt werden. Nach einer Studie der Initiative Intelligente Vernetzung (Träger: Bundeswirtschaftsministerium) erwarteten die Kommunen im Jahre 2016 durch die Realisierung ihrer Digitalisierungsstrategien 92 % Vorteile für Unternehmen, 90 % für Arbeitnehmer, 88 % für Familien und 58 % für Senioren.

3. Die Digitale Agenda gehört in Bürgerhand

Die Erarbeitung einer digitalen Agenda strukturiert die Verständigung der Stadtgesellschaft untereinander über Ziele, Ausrichtung und Projekte. Gerade die Erfahrungen mit der ersten Welle der Smart City-Strategien hat gezeigt, dass sie nicht lediglich aus einem Zusammenspiel von Stadt und IT-Unternehmen oder der Beteiligung der städtischen Eliten (Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft etc.) entstehen sollten. Die Digitale Agenda gehört in Bürgerhand. Dabei stellt die einfache Aneinanderreihung von Projekten noch keine Strategie dar. Außerdem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Digitalisierung als ein Prozess angesehen werden muss, der verstetigt werden muss.

4. Bei Anwerbung von Fördermitteln und Beteiligungen an Wettbewerben wird eine Strategie erwartet

Es mangelt nicht an Förderprogrammen und Wettbewerben zur Digitalisierung der Städte und ländlichen Räume. Einerlei, ob sie durch Bundes- und Landesministerien oder durch interessierte IT-Unternehmen oder Organisationen wie dem Bitkom ausgelobt werden, stets wird von den beteiligten Kommunen eine Strategie erwartet. Je besser und frühzeitiger eine Kommune eine Digitale Agenda erarbeitet hat, um so fundierter kann sie in diesen Wettbewerb eintreten.

5. Stadt und Land – Hand in Hand

Weil die Handlungen der einen Kommune Auswirkungen auf die anderen haben können, ist eine vernetzte Digitalisierungsstrategie erforderlich. Smarte Städte benötigen Smarte Regionen, weil sie sich so gegenseitig ergänzen können. Sie müssen aufeinander abgestimmt gemeinsam handeln.

Das Jahr 2018 kann die Wende bringen. Der Mehrwert der Digitalisierung wird in den Kommunen erkannt. Jetzt gilt es, daraus auch die richtigen strategischen Schlüsse zu ziehen und zusammen mit der Stadtgesellschaft an einer Digitalen Agenda zu arbeiten.

Foto: Toa Heftiba/Unsplash


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