Das Digital Hub Münsterland will Start-ups und die Wirtschaft zusammenbringen.

Digital Hub münsterLAND: Innovationen für den ländlichen Raum

Die Hidden Champions im Münsterland sollen den digitalen Wandel nicht verschlafen, sondern aktiv mitgestalten. Das möchte das Digital Hub münsterLAND erreichen, indem es die heimische Wirtschaft mit Start-ups zusammenbringt. Im Interview erklärt Geschäftsleiter Sebastian Köffer, wie das gelingen kann.

Als einer von sechs Digital Hubs in Nordrhein-Westfalen engagiert sich der Digital Hub münsterLAND insbesondere auch in ländlichen Regionen. Welche Aktivitäten gibt es?

Sebastian Köffer: Wir schaffen im Münsterland sogenannte „Hub-Satelliten“, die unsere Angebote dezentral in die Region bringen. Grund dafür ist natürlich die besondere Wirtschaftsstruktur des Münsterlands. Wir haben hier keine großen Konzerne, sondern adressieren den breiten Mittelstand, der häufig nicht im Oberzentrum Münster seinen Sitz hat. Die Unterstützung lokaler Unternehmen steht bei uns im Mittelpunkt. Sie sind auch diejenigen, die unser Crowdfunding-Konzept finanzieren.

 


Digital Hubs in Nordrhein-Westfalen

Mit landesweit sechs Digital Hubs will NRW seit 2016 eine erfolgreiche Start-up-Szene aufbauen. Dabei sollen die Start-ups eng mit der existierenden Wirtschaft zusammenarbeiten und somit für ein Wissens- und Kompetenztransfer sorgen. Die Hubs in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Ruhrgebiet und im Münsterland unterstützen die Start-ups durch Acceleratorprogramme, Vernetzungsmöglichkeiten oder als Impulsgeber.


 

Sie sind unter anderem in Emsdetten, Lengerich und Ibbenbüren aktiv. Wie wollen Sie digitale Innovationen dorthin bringen?

Sebastian Köffer: Kleinere Unternehmen haben häufig nicht genügend Ressourcen, um eine eigene Innovationseinheit aufzubauen. Sie können auch nicht einfach eine „Inkubationsbude“ in Berlin eröffnen. Das andere Thema ist die Attraktivität ländlicher Räume für Fachkräfte. Beispiel: In Großstädten kann ich mir viele Tech-Meetups ansehen und mich vernetzen. Im ländlichen Raum kann man diese an einer Hand abzählen.

Wir versuchen lokale Netzwerke zum Austausch zu digitalen Themen aufzuschließen. Auch die kürzeren Wege zahlen sich dann aus. Wir verbinden diese Gruppen im gesamten Münsterland. So können kleine Unternehmen aus dem Mittelstand digitale Innovationsaktivitäten mit geringerem Ressourceneinsatz und Risiko beginnen.

Wie läuft das konkret ab?

Sebastian Köffer: Für uns ist entscheidend, Communities und Netzwerke aus bestehenden Unternehmen zu bilden, die zum Beispiel stärker mit Start-ups interagieren wollen. Dies kann es für Start-ups interessant machen, auch mal für einen Pitch, Vortrag oder Projekt ins Münsterland zu kommen und eine digitale Innovation mit hineinzutragen.

Wir haben zum Beispiel Industrieunternehmen, die mit Start-ups, die IoT-Lösungen anbieten, partnern und eine Technologiekooperation eingehen. Wir haben auch Start-ups im Bereich Bildung, die Weiterbildungsformate mit Unternehmen entwickeln. Des Weiteren versuchen wir, technologiebasierte Netzwerke aufzubauen, die sich zu bestimmten Themen wie Blockchain oder Data Science zusammenfinden.

Ein zentraler Bestandteil sind die Coworking-Spaces. Für wen sind die gedacht?

Sebastian Köffer: Alle unsere Angebote haben einen klaren Fokus auf digitale Geschäftsmodelle. In Emsdetten bauen wir gerade mit Partnern eine alte Diskothek zu einem Coworking-Space um. Hier können zum Beispiel Mitarbeiter*innen von ansässigen Unternehmen außerhalb des Arbeitsplatzes ein digitales Thema vorantreiben. Das können Innovationsmanager*innen oder -teams sein oder auch Freelancer*innen, die für überregionale Unternehmen arbeiten. Sofort entstehen Synergieeffekte: Zwei IT-Unternehmer*innen planen jetzt in dem Coworking-Space eine Vortragsreihe und können zugleich unser Netzwerk nutzen, um dies bekannt zu machen.

Warum ist die interkommunale Zusammenarbeit für Sie so wichtig?

Sebastian Köffer: Es macht kein Sinn, digitale Communities zu klein zu denken. Gerade bei digitalen Innovationen handelt es sich häufig um ganz spezifische Anwendungsbeispiele, die eine hinreichende Größe brauchen, damit es genügend Interessenten dafür gibt. Das Gleiche gilt andersherum: Es ist relativ unwahrscheinlich, dass Unternehmen im direkten Umkreis ein Start-up als Kooperationspartner finden. Es ist auch nicht zu erwarten, dass wir auf einmal im Münsterland eine bahnbrechende Zahl an neuen Start-ups hinzugewinnen. Deswegen muss man mindestens regions- oder länderübergreifend denken.

Kleinen Kommunen wird vorgeworfen, dass sie die Digitalisierung verschlafen. Sehen Sie das aus Ihrer Erfahrung ähnlich?

Sebastian Köffer: Die meisten Kommunen sind sich im Klaren darüber, dass sie hier mehr tun müssen. In den wenigsten Fällen ist es aber so, dass sie viel Geld für Investitionen bereithalten. Es gibt aber viel politische Unterstützung. Beim Coworking läuft es letztendlich auf die Entscheidung für einen physischen Ort hinaus. Hier tun sich angrenzende Kommunen schwer, die Nachbarkommune bei der Ansiedlung des Coworking-Spaces zu unterstützen. Das ist aber auch nachvollziehbar.

Was sind typische Fehler bei der Etablierung von Coworking-Spaces?

Sebastian Köffer: Manche Kommunen schauen zuerst, wo sie eine freie Fläche haben, oft in Form von Gewerbeflächen. Dann wollen sie diese für Coworking nutzen. Das ist genau der falsche Weg. Die Verfügbarkeit von Flächen ist noch kein Indiz für bestehendes Potenzial für Coworking. Erfolgversprechender ist: Erst die Nachfrage analysieren und dann nach einem geeigneten Standort suchen. Dann kann man auch die Interessenten viel besser mitnehmen.

Die Fragen stellte Fabian Wahl.

Weitere Informationen zum Digital Hub münsterLAND.

Titelfoto: Steven Bors, WESt mbH

Dieser Artikel ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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