Der Musterdatenkatalog gibt einen Überblick über offene Daten, die Kommunen verfügbar machen.

Musterdatenkatalog gibt erstmals Überblick über offene Daten in Kommunen

Bevölkerungsentwicklung, freie Parkplätze, Trinkwasserqualität: Viele der digitalen Vorreiterstädte in Deutschland veröffentlichen kommunale Daten als „Open Data“. Der neue Musterdatenkatalog schafft erstmals einen Überblick über die Daten, die Kommunen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Die Corona-Krise zeigt momentan die Bedeutung aktueller und frei zugänglicher Daten für die Entscheidungsfindung auf. So orientiert sich die Politik in ihren Beschlüssen unter anderem an den Zahlen der Infizierten, die von den Landkreisen und kreisfreien Städten transparent veröffentlicht werden. Frei verfügbare Daten sind für die künftige Entwicklung der Städte und Gemeinden aber auch außerhalb einer Krisensituation wie der jetzigen von Relevanz.

Musterdatenkatalog: Datensätze der Kommunen aus Nordrhein-Westfalen

Der neue Musterdatenkatalog liefert nun erstmals eine Übersicht darüber, welche nicht personenbezogenen Datenbestände die Städte und Gemeinden öffentlich bereitstellen. Der Onlinekatalog ist in Zusammenarbeit zwischen dem Datenportal GovData, der Open Knowledge Foundation, dem KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung sowie der Bertelsmann Stiftung entstanden. Zum Start beinhaltet er die allgemein zugänglichen Datensätze der Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Ein erster Prototyp war im Mai 2019 veröffentlicht worden.

Wenn kommunale Daten aus Bereichen wie Verkehr, Umwelt oder Wirtschaft mit der interessierten Bevölkerung, den ansässigen Unternehmen oder zivilgesellschaftlichen Akteuren geteilt werden, verspricht das einen großen Mehrwert. Auf Basis der Daten lassen sich zum Beispiel Anwendungen entwickeln, die die Trinkwasserqualität in einer Kommune darstellen oder Apps, die mit offenen Verkehrsdaten Informationen über eine bestmögliche Kombination von Verkehrsmitteln liefern. Der Einsatz von Open Data ist daher auch eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung zur ‚Smart City‘, also zu einer Stadt, in der viele Bereiche des öffentlichen Lebens vernetzt und mit digitalen Anwendungen angereichert sind.

Kategorisierung der Daten nach Themenbereichen

Bisher fehlte eine gute Übersicht darüber, welche Daten von Städten und Gemeinden veröffentlicht werden. Akteure, die offene Daten über eine einzelne Kommune hinaus nutzen wollten, mussten viel Zeit aufwenden, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ebenso bekommen Kommunen bisher nur schwer eine Übersicht, welche Daten sich zur Veröffentlichung als Open Data eignen.

Mit dem Musterdatenkatalog schließen die Bertelsmann Stiftung und die weiteren Projektpartner nun diese Lücke. Der Katalog verweist auf alle offenen Daten, die von Kommunen in Nordrhein-Westfalen auf dem Open.NRW-Portal veröffentlicht werden. Er beinhaltet nicht die Daten selbst, sondern kategorisiert die Daten und verweist auf ihre Quelle in den Kommunen.

Anreiz für andere Kommunen

Der Musterdatenkatalog ordnet die Datensätze rund 60 verschiedenen kommunalen Themenbereichen zu. Akteure mit Interesse an Open Data können sich dank des Katalogs zum Beispiel alle offenen Daten einer Kommune anzeigen lassen oder die offenen Daten unterschiedlicher Kommunen zu einem bestimmten Thema. Dies erhöht die Vergleichbarkeit und kann gleichzeitig Anreize für Kommunen schaffen, weitere Daten bereitzustellen.

An dem Projekt haben auch Open-Data-Expert*innen einzelner Kommunen mitgewirkt, darunter Alice Wiegand, die als Projektleiterin Open Data für die Landeshauptstadt Düsseldorf tätig ist. „Der Musterdatenkatalog ist eine Fundgrube für Datenschätze in der Verwaltung, die nur darauf warten, von weiteren Kommunen veröffentlicht zu werden“, sagt Wiegand.

Bisher stellen rund 80 Kommunen in Deutschland, darunter viele Großstädte von Kiel bis München, offene kommunale Daten zur Verfügung. Rund die Hälfte dieser Kommunen liegt in Nordrhein-Westfalen. Die NRW-Landesregierung hat den Musterdatenkatalog über ihr Datenportal Open.NRW als Meilenstein in die Verpflichtungen des Landes im 2. Nationalen Aktionsplan zur Open Government Partnership aufgenommen.

Open-Data-Leitfaden für Kommunen

Parallel zur Erstellung des Musterdatenkatalogs entwickelten die Projektpartner ein Machine-Learning-Modell. Dadurch sollen künftige Aktualisierungen des Musterdatenkatalogs automatisch erfolgen. Außerdem soll das Machine-Learning-Modell bei der Erstellung eines Musterdatenkatalogs unterstützen, der alle Open-Data-Kommunen bundesweit einbezieht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings noch unklar, wann dies erfolgen kann.

Gleichzeitig wird mit dem Musterdatenkatalog auf der Website musterdatenkatalog.de auch ein Open-Data-Leitfaden veröffentlicht. Der Leitfaden soll Kommunen den Einstieg in das Thema Open Data erleichtern und vermittelt kurz und kompakt die wichtigsten Schritte einer Kommune auf dem Weg zur Bereitstellung von offenen Daten.

Hier finden Sie den Musterdatenkatalog.

Lesen Sie weitere Beiträge über die Vorteile des Musterdatenkatalogs:
Musterdatenkatalog: Welche offenen Daten stellen Kommunen zur Verfügung?
Wie fördern wir Open Data in Kommunen? Der nächste Schritt. 
Wie fördern wir Open Data in Kommunen?

Titelfoto: Andreas Dress / Unsplash – Unsplash License

Dieser Artikel ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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