Wie fördern wir Open Data in Kommunen?

Die Zahl der Kommunen, die ihre Daten als Open Data veröffentlichen, wächst langsam aber stetig. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren Vorreiterstädte wie Köln, Bonn und Moers, die schon viel Erfahrung mit offenen Daten der Verwaltung gesammelt haben. Weitere Städte wie Düsseldorf, Dortmund oder Gelsenkirchen haben bereits nachgezogen. Auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg gibt es einige Städte, die den Open-Data-Weg eingeschlagen haben.

Das Tempo des Open-Data-Prozesses auf kommunaler Ebene ist dennoch langsam. Von ca. 11.000 Kommunen in Deutschland gibt es sicher kaum mehr als 150 Kommunen (genaue Zahlen hierzu sind mir nicht bekannt), die ihre Daten offen und zur freien Verfügung zugänglich machen.

Es gibt bereits einige Gesetze, die das Thema Open Data adressieren, wie beispielsweise das Open-Data-Gesetz des Bundes. Auch das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen, hat ein Open-Data-Gesetz vorbereitet. Eine Pflicht zur Veröffentlichung kommunaler Daten in Deutschland wird es auf absehbare Zeit in Deutschland aber nicht geben.

Umso wichtiger ist es daher, Kommunen die Vorzüge von offenen Daten vor Augen zu führen. Unter dem Titel „Förderung von Open Data in Kommunen“ hat unser Projekt Smart Country gemeinsam mit der Geschäfts- und Koordinierungsstelle GovData der Senatskanzlei Hamburg am 18. September mehr als 20 Vertreter*innen der Open-Data-Community (aus Kommunen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft) zu einem Workshop nach Köln eingeladen.

Open-Data-Workshop am 18.09. im Startplatz in Köln. Foto: Thomas Tursics.

Wir haben gemeinsam an zwei Ideen gearbeitet, die beide darauf ausgerichtet sind, das Thema Open Data in Kommunen breiter zu verankern.

  1. Ausarbeitung eines Musterdatenkatalogs für offene Datensätze in Deutschland

In Österreich wurde im vergangenen Jahr vom KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung ein Muster-Datenkatalog für ausgewählte österreichische Städte veröffentlicht. Wir haben die Frage diskutiert, inwiefern wir etwas Vergleichbares für Deutschland erarbeiten könnten. Ein Muster-Datenkatalog würde einige Vorteile mit sich bringen. Er könnte u.a. Kommunen, die anfangen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, Starthilfe geben. Es wäre transparent einsehbar, welche Daten von Kommunen als Open Data zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Basis könnte eine Kommune entscheiden, mit welchen Datensätzen sie ihre Open-Data-Aktivitäten beginnt. Wir werden außerdem gemeinsam daran arbeiten, wie die offenen Daten neben der Bereitstellung den Weg in die konkreten Arbeitsprozesse der Verwaltungen finden können. Nächste Entwicklungsschritte wurden vor allem darin gesehen, die Nutzerperspektive einzunehmen und auch zu recherchieren, was im Sinne der Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürgern an offenen Daten bereitgestellt werden sollte.

  1. Entwicklung einer Plattform für die öffentliche Verwaltung, die Open-Data-Aktivitäten bzw. die Zahl von nützlichen Open-Data-Anwendungen auf kommunaler Ebene erhöhen kann.

Das sichtbarste Zeichen der Open-Data-Aktivitäten einer Kommunalverwaltung sind die Open-Data-Portale. In einigen Städten haben zivilgesellschaftliche Akteure (häufig Akteure die in den OK Labs der Open Knowledge Foundation organisiert sind) auf freiwilliger Basis Anwendungen entwickelt, mit dem Ziel, einen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger der Kommune zu schaffen. Die Bereitstellung von Open Data ist v.a. aus Gründen der Transparenz ein Wert an sich. Die positiven Effekte ergeben sich aber vor allem, wenn aus diesen Daten etwas Nützliches entwickelt wird. Die Zahl der Akteure in einer Kommune, die das nötige Know-How und Engagement mitbringen ist meist selbst in großen Städten recht überschaubar. In kleineren Kommunen hingegen gibt es bisher häufig gar keine zivilgesellschaftlichen Akteure, die aus Open Data Dienste mit einem Mehrwert für die Stadtgesellschaft entwickeln. Mithilfe einer Plattform könnten auch kleinere Städte in Kontakt mit Entwicklern kommen, damit aus dem Zusammenspiel zwischen Kommune, Bürger*innen und Entwicklern Anwendungen auf Basis offener Daten entstehen. Dies könnte auch für andere Kommunen einen Anreiz schaffen, offene Daten zu veröffentlichen, wenn sie sehen, was für positive Anwendungen daraus entstehen können.

Über die Idee eine Art Vernetzungsplattform zu entwickeln wurde intensiv diskutiert. Auch andere Ansatzpunkte für eine bessere Vernetzung wurden ins Spiel gebracht. Vor allem ein in den USA sehr erfolgreiches Fellowship-Modell der Initiative „Code for America“ wurde auf deutsche Zusammenhänge übertragen und weiterentwickelt. In den USA kommen Digitalexperten aus Wissenschaft und Coder-Community für ausgewählte Themen und einen begrenzten Zeitraum in die Kommunen und arbeiten gemeinsam mit anderen kommunalen Akteuren an digitalen Lösungen.

Im Plenum haben wir die Ideen mit der kommunalen Open-Data-Community diskutiert und bewertet. Wir werden die Ideen und Anregungen aus dem Workshop bündeln, um sie in einem weiteren Treffen Anfang nächsten Jahres zu konkretisieren und erneut zu diskutieren. Wir freuen uns auf den Austausch, um das Thema Open Data in vielen weiteren Kommunen Deutschlands zu verankern.

Foto: rawpixel.com/pexels.com


Kommentare

  1. / von Peter Winninger

    Klingt spannend. Vor allem der Musterkatalog geht meiner Meinung nach in die richtige Richtung.
    Habe ihr auch mal daran gedacht, die Hersteller von Fachsoftware für Kommunen mir ins Boot zu holen?

    1. / von mwiedemann
      zu

      Die größte Einigkeit gab es auch tatsächlich beim Punkt Musterdatenkatalog. Eine Einbeziehung von Herstellern für Fachsoftware würde unsere „Arbeitsgruppe“ momentan
      vermutlich etwas überdehnen aber für die Zukunft denken wir das auf jeden Fall mit. Danke für die Anregung!

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