Ein Schreibtisch mit vielen Schreibutensilien wie etwas bunte Stifte. In der Mitte ist eine Grafik mit dem Schriftzug "Toolkit - Open Data"

Open-Data-Workshops für Kommunen und Gemeinnützige Organisationen – Eine Toolbox

Viele digitale Vorreiterstädte in Deutschland veröffentlichen kommunale Daten als Open Data. Bisher fehlt aber häufig eine Nachfrageorientierung im Bereich Open Data. Welche kommunalen Daten stoßen auch wirklich auf Interesse und werden aktiv nachgefragt? Ein möglicher Weg dies herauszufinden: Ein Workshop mit gemeinnützigen Organisationen vor Ort.

Welche Daten veröffentlichen wir als Open Data? Diese Fragen stellen sich alle Kommunen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Kommunen, die bisher noch keine Erfahrungen mit Open Data gesammelt haben, suchen nach geeigneten Daten, um einen Anfang zu machen. Digitale Vorreiterstädte, die seit längerer Zeit offene Daten bereitstellen, möchten ihr Datenangebot verbreitern und gleichzeitig mit ihrem Angebot auf eine höhere Nachfrage bei den Datennutzer*innen stoßen.

Wenn Kommunen die Veröffentlichung offener Daten planen, ist die Erstellung eines verwaltungsinternen Datenkatalogs empfehlenswert. So lässt sich nachvollziehen in welcher Form bestehende Daten bereits veröffentlicht werden und welche zukünftig veröffentlicht werden könnten. Aus unserem Leitfaden für offene Daten ergeben sich für die Erarbeitung eines solchen Katalogs drei Optionen:

  1. Selbst-Screening: Was haben wir selbst bereits an anderer Stelle veröffentlicht und könnten es ohne großen Aufwand auch in einem offenen Format bereitstellen?
  2. Fremd-Screening: Was haben andere Kommunen bereits veröffentlicht? Hier kann z.B. ein Blick in unseren Musterdatenkatalog bei der Auswahl geeigneter Daten unterstützen.
  3. Stakeholder-Screening: Was wünschen die Datennutzer*innen? Welche Daten sind für unterschiedliche Zielgruppen von Interesse?

Mehr offene Daten für gemeinnützige Organisationen

Einige Kommunen, die schon seit Jahren Erfahrung mit offenen Daten haben, nutzen die verschiedenen Ansätze des Stakeholder-Screenings bereits. Sie berücksichtigen dadurch die Wünsche und Interessen der Datennutzer*innen und stehen teilweise im direkten Kontakt mit ehrenamtlich arbeitenden Entwickler*innen, die Anwendungen auf Basis offener Daten erstellen. Hackathons, das sind Veranstal­tungen in denen Ideengeber*innen, Programmierer*innen und Kreative zusammen an der Lösung eines Problems arbeiten, oder ehrenamtliche Initiativen wie die in über 25 deutschen Städten aktiven OK Labs der Open Knowledge Foundation Deutschland bieten einen möglichen Rahmen zum Austausch zwischen Verwaltung und technisch affiner Zivilgesellschaft.

Doch eine Perspektive wurde bei der Nachfrageorientierung bisher vernachlässigt: gemeinnützige Organisationen. Offene Daten können für gemeinnützige Organisa­tionen ein nützliches Werkzeug sein, um beispielsweise die Notwendigkeit von Fördermitteln zu belegen, Berichte oder Artikel auf Basis von Daten zu erstellen oder Anhaltspunkte für künftige gesellschaftliche Fragen in der eigenen Kommune zu finden.

Graphik von Nathan Coyle

Ein Workshop in Münster als Vorlage

Wir haben im vergangenen Jahr unter dem Titel „Offene Daten für alle“ (#ODFA) gemeinsam mit der Stadt Münster einen Workshop für gemeinnützige Organisationen aus Münster und Umgebung durchgeführt. Ziel des Workshops war es, die Bedeutung offener Daten und den Bedarf dieser für die Arbeit der beteiligten Organisationen zu ermitteln. Die Teilnehmenden setzten sich vor allem aus Vertreter*innen gemeinnütziger Organisationen zusammen wie beispielsweise dem Arbeiter- und Samariterbund, der Lebenshilfe, einer lokalen Fahrradinitiative und Angestellten der Stadtverwaltung, z.B. aus dem Bereich der Statistik.

Open-Data-Workshop in Münster. Etwas 25 Personen sitzen in einem Raum. 2 Moderaoren stehen vorne an einer Metaplanwand.
Open-Data-Workshop für gemeinnützige Organisationen mit der Stadt Münster im September 2019. © Nathan Coyle

 

Wie können offene Daten in die Arbeit der Organisation einbezogen und in die Praxis umgesetzt werden? Im Rahmen des Workshops haben wir die Grundlagen von offenen Daten vermittelt. Wir konnten den Teilnehmern anschaulich zeigen, dass offene Daten nicht nur zugänglich sind, sondern dass sie auch erfolgreich zur Schaffung von Veränderungen genutzt werden können. Außerdem haben wir Quellen für offene Daten präsentiert und gezeigt, wie diese sich konkret nutzen lassen. Ein gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitetes Ergebnis des Workshops ist eine Liste mit interessanten und relevanten Datensätzen, die von der Stadt Münster als offene Daten freigegeben werden sollten.

Eine Toolbox für den Open-Data-Workshop in Ihrer Kommune

Im Nachgang zum Workshop haben wir von einigen kommunalen Vertreter*innen die Rückmeldung bekommen, dass sie in ihrer Kommune gerne einen ähnlichen Work­shop veranstalten würden. Daher haben wir unsere Materialien zu einer Toolbox aufbereitet, damit Kommunen mit geringem (Vorbereitungs-)Aufwand einen ähnlichen Workshop veranstalten können. Die Toolbox besteht aus den folgenden Inhalten.

 

Das Wichtigste: Leitfaden, Präsentation & Drehbuch

Im #ODFA-Leitfaden stellen wir einige grundlegende Informationen zusammen, die Sie z.B. für die Vorbereitung des Workshops benötigen. Außerdem finden Sie hier die Präsentation zum Download. Damit Sie mit der Vorbereitung für diesen Workshop möglichst wenig Aufwand haben und wenig selbst recherchieren müssen, haben wir unsere eigenen Notizen im „Drehbuch“ ausformuliert.

 

Gelerntes weiterverbreiten

Teilnehmer*innen am #ODFA-Workshop könnten daran interessiert sein, die Inhalte des Open-Data-Workshops an Kolleg*innen weiterzuleiten, z.B. indem Sie das Gelernte selber vermitteln. Für diesen Zweck haben wir die Präsentation etwas gekürzt und das „Drehbuch“ so angepasst, als würden sie die Inhalte an Kolleginnen und Kollegen weitergeben.

 

Machen Sie Ihren Workshop bekannt

Um genügend Teilnehmer*innen für Ihren Workshop zu finden, müssen Sie gezielt darauf hinweisen. In der Toolbox finden Sie hierfür z.B. Bilder, die Sie auf Twitter nutzen können, zwei Vorschläge für Blogposts und auch einen Header, den Sie für eine Veranstaltungsseite nutzen können.

 

Open-Data-Lenkungsgruppe

Zum Abschluss unseres Workshops in Münster wurde die Idee einer Open-Data-Lenkungsgruppe vorgestellt, die in der Stadtverwaltung dafür Sorge trägt, die zivilgesellschaftliche Perspektive im Bereich Open Data kontinuierlich in den Prozess der Öffnung von Daten einzubringen. In einem Feedback-Bogen hat die große Mehrheit der Teilnehmenden angegeben, dass sie sich gerne an solch einer lokalen Gruppe beteiligen wollen. Deshalb haben wir die Toolbox ebenfalls um Informationen zum Aufbau eines Open-Data-Netzwerks und einer Open-Data-Lenkungsgruppe in Ihrer Kommune ergänzt.

 
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihrem Open-Data-Workshop für gemeinnützige Organisationen in Ihrer Kommune. Wir freuen uns, wenn Sie uns kurz ihre Eindrücke zum Workshop schildern könnten – z.B. durch eine Nachricht an den oben angegebenen Ansprechpartner oder einen Tweet an @SmartCountryDE (#ODFA).

 

Zum Hintergrund:

Die Idee für den Open-Data-Workshop geht zurück auf den Open-Data-Aktivisten Nathan Coyle aus England, der die Konzeption des #ODFA-Workshops und die Ausarbeitung der Toolbox übernommen hat. Der Open-Data-Workshop ist Teil der Projektaktivitäten rund um den Musterdatenkatalog für Open Data in Kommunen.

Für kommunale Akteur*innen, die an Open Data interessiert sind, bieten wir neben dem Musterdatenkatalog auch einen Open-Data-Leitfaden. Der Leitfaden erleichtert Kommunen den Einstieg in das Thema Open Data und vermittelt kurz und kompakt die wichtigsten Schritte einer Kommune auf dem Weg zur Bereitstellung von offenen Daten. Zusätzlich bieten wir eine Broschüre an. Sie beschreibt kurz, was unter Open Data in Kommunen, also offenen Verwaltungsdaten, zu verstehen ist. Diese enthält außerdem praktische Anwendungsbeispiele für offene Daten sowie Argumente für Open Data aus Sicht der Verwaltung, der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft.



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