Wie der DorfFunk die Corona-Pandemie erträglicher macht

In Zeiten der Corona-Pandemie brummt bei den Bürger*innen aus Ovenhausen das Smartphone in der Hosentasche noch häufiger als sonst. Kaum war die Verordnung der Stadt Höxter über das Verbot öffentlicher Veranstaltungen erlassen, da wusste die Bevölkerung von Ovenhausen bereits Bescheid und konnte gleich reagieren.

Eigene Veranstaltungen in Klönstube und Pfarrheim sowie Gottesdienste wurden abgesagt und die Information in Echtzeit an alle Haushalte verteilt. Rund 450 Nutzer*innen gibt es bereits im Ort, so dass statistisch gesehen jeder Haushalt jetzt das digitale Dorf in der Tasche hat und jederzeit weiß, was aktuell im Dorf los ist.

Pop-up-Nachrichten zur Corona-Pandemie

Noch bevor die Dorf-Digital-Experten ihre Schulungen an der VHS Diemel-Egge-Weser beendet hatten, erstellten sie zusammen mit viel ehrenamtlichem Engagement jedes Einzelnen die neue, ausgiebige Website ovenhausen-digital.de, die mit einer Schnittstelle zur Dorf-App ausgestattet ist. Alles, was die aktiven Vereine, die Kirche oder die Caritas-Konferenz dort als Neuigkeit oder Veranstaltungshinweis einstellen, erscheint sofort als Pop-up-Nachricht auf dem Smartphone, über das mittlerweile auch viele ältere Menschen im Dorf verfügen. So sind auch Berufspendler*innen, Urlauber*innen, Studierende und Menschen, die nicht mehr täglich zum Bäcker gehen, über das Dorfleben stetig auf dem Laufenden.

Das digitale Dorf Ovenhausen hat frühzeitig die Chance der Digitalisierung erkannt und sich als Modellort beim Projekt Smart Country Side beworben, um zusammen mit der Dorfgemeinschaft smarte Lösungen für die Herausforderungen und Probleme vor Ort zu entwickeln und zu erproben. Die Ergebnisse können sich sehen lassen und begeistern deutschlandweit. Von Kirche und Kapelle gibt es jetzt 360 Grad Ansichten, unterlegt mit Orgelmusik, die man als Besucher auch über QR-Codes an den Gebäuden aufrufen kann. Es gibt Tageslosungen online, Informationen zu den Wegekreuzen und zum Pfarrverbund Corvey.

Blick auf Ovenhausen
Blick auf Ovenhausen im Kreis Höxter (Foto: Foto: Witold Grzesiek, commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Corona-Pandemie: Absagen und Änderungen über zentrale Website

Vereine und Gewerbetreibende nutzen die Website, um schnell und unkompliziert über Veranstaltungen, Feste und Angebote zu informieren; auch über Absagen und Änderungen, da das gesellige Zusammentreffen derzeit nicht mehr möglich ist. Die Caritas-Konferenz bietet jetzt analog und digital Halt und Hilfe für alle Einwohner*innen des fürsorglichen Dorfes Ovenhausen an und schafft mit der Gesundheits- und Senioren-App „Gut versorgt in Höxter“ einen Mehrwert für das ganze Dorf.

Apotheken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen, die sich nicht vor Ort befinden, können mit der App leicht gefunden und erreicht werden. Dazu punktet die App mit Barrierefreiheit, Hörbüchern, Online- Spielen und vielen nützlichen Informationen. Das ist gute Unterhaltung für Zuhause, die dabei unterstützt, die Zeit in der soziale Distanz auf der Tagesordnung steht, mit sinn- und freudvollen Beschäftigungen zu füllen. Auch die bewährte Nachbarschaftshilfe lässt jetzt über den DorfFunk und den digitalen Dorf-Hilferuf schnell und einfach mobilisieren, egal ob Unterstützung beim Einkauf, bei Fahrten zum Arzt oder zur Vermittlung der ganzen neuen Nachrichten, die täglich auf uns einströmen. Hier zeigt das Dorf seine Stärke, das solidarische Miteinander, das alle im Blick hat und niemanden alleine lässt.

DorfFunk weckt das Interesse von Nachbargemeinden

Aktuell gibt es zahlreiche Anfragen von anderen Dörfern im Kreis Höxter, die lieber heute als morgen den DorfFunk zusammen mit einer neuen Dorf-Website nutzen wollen. 24 weitere Dörfer stehen in den Startlöchern und hoffen, bereits im Sommer 2020 die digitale Dorf-Plattform mit ihren Dorfgemeinschaften nutzen und erproben zu können; darunter Godelheim, Amelunxen, Drenke, Dringenberg, Welda, das Bundessilberdorf Himmighausen und Germete. Sie alle beteiligen sich am Leader-Projekt „Dorf.Zukunft.Digital“, sind seit einigen Monaten bereits aktiv und haben sich Gedanken gemacht wie sie die Digitalisierung bis 2025 nutzen wollen.

Dazu nutzen rund 120 engagierte Teilnehmende aus diesen Orten das neue Angebot des Projektträgers VHS –Zweckverband Diemel-Egge-Weser. Sie sitzen zuhause vor ihren Computern und lernen in Webinaren, die über die VHS-Cloud organisiert werden, das Content-Management-System WordPress kennen, das sie befähigt, ihre eigene Dorf-Website zu erstellen, die dann mit dem DorfFunk verknüpft wird.

Flexible Lösungen wegen des Coronavirus

Dieses innovative Lernangebot hat nicht nur während der Corona-Pandemie zahlreiche Vorteile für die Teilnehmenden, die neben ihren privaten und beruflichen Aktivitäten oft auch noch in Vereinen ehrenamtlich aktiv sind. Sie müssen nicht zu festgelegten Zeiten zu den Schulungen fahren und sie können den Lehrstoff selbst organisiert jederzeit so oft wie gewünscht wiederholen, da die aufgezeichneten Webinare in der VHS-Cloud für sie abgelegt sind.

Die Dörfer im Kreis Höxter machen vor, wie es geht: Die digitale Vernetzung bringt die Welt ins Dorf und das „digitale Dorf in der Tasche“ stärkt das Miteinander und die Gemeinschaft vor Ort. Unsere Gesellschaft wird eine andere sein, wenn die Krise überwunden ist, aber schon jetzt ist klar. Digitale Kommunikation wird unseren Alltag und Arbeitsleben zunehmend prägen und bereichern: Wie gut, dass unsere Dörfer schon heute gut gerüstet sind.

 

Lesen Sie weitere Beiträge über das Projekt Smart Country Side, das in den Kreisen Lippe und Höxter aktiv ist:

Vom Leuchtturm zum Leader: Kreis Höxter treibt Digitalisierung voran

Sozial braucht Digital: Ehrenamt und Digitalisierung auf dem Land

Smart Country Side: Bürger erproben das digitale Dorf von morgen

Die Dorf-Digital-Experten: Pioniere für das sorgende Dorf

Digitalisierung und Kirche: Wie passt das zusammen?

Titelfoto: Crew/unsplash, Unsplash license

Dieser Artikel ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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Kommentare

  1. / von Wolfgang Wähnke

    tolle Initiative! gibt es auch Tipps, wie so etwas – auch in Zeiten von Corona – ohne persönliche Treffen planen und realisieren kann.
    Zum Thema Nachbarschaftshilfe gibt es hier übrigens einen Beitrag: https://blog.wegweiser-kommune.de/demografie/wie-kommen-wir-von-einem-negativszenario-fehlender-nachbarschaftshilfe-zu-einem-positivszenario-funktionierender-nachbarschaftshilfe

    1. / von Heidrun Wuttke
      zu

      Hallo Herr Wähnke, die Erprobung digitaler Anwendungen in unseren Dörfern lebt natürlich vom Miteinander vor Ort und einer aktiven Dorfgemeinschaft. Will sagen, das Gespräch über den Gartenzaun wird ergänzt durch den digitalen Marktplatz. Um Dorfgemeinschaften als Nutzer zum Mitmachen zu gewinnen, braucht es schon eine Mobilisierung z.B. auf Dorfkonferenzen. Die könnte man auch digital organisieren, aber das Dorf lebt schon stark durch persönliche Begegnung. Falls Sie mehr Fragen haben: hw@dorfdigital.com

  2. / von w.wobido

    Noch ein Wolfgang,
    habe bereits vor ein paar Tagen meine Verbandsgemeinde im Westerwaldkreis in 56457 Westerburg gebeten die DorfFunk App frei zu schalten – bisher leider ohne Reaktion.
    Offline hängt mein Hilfe Angebot an Laternen und Bäumen.

    LG

  3. / von Aus »digital« wird »sozial«: Digitale Dörfer halten Menschen in der Krise zusammen - Blog des Fraunhofer IESE

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