Welchen Mehrwert liefern offene Daten in Zeiten von Corona?

In der digital transformierten Verwaltung stellt die verstärkte Nutzung von Daten einen wichtigen Mehrwert dar. Denn beim datenbasierten Verwaltungshandeln werden Daten intelligent für die politische Entschei­dungsfindung genutzt. Die Bedeutung tagesaktueller Daten für die Steuerung von Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wird auf der kommunalen Ebene gerade besonders sichtbar. Etwa dann, wenn Kommunalpolitiker*innen auf der Grundlage von Daten strategische Entscheidungen für oder gegen die Einleitung von Maßnahmen zum Schutz der Gemeinde treffen.

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, die Entwicklung des Coronavirus nahezu in Echtzeit anhand von Daten der Gesundheitsämter zu verfolgen. Datenpunkte, wie die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten, die Anzahl der Neuinfektionen und der Genesenen, bieten in der jetzigen Situation wichtige Anhaltspunkte für politische Entscheidungen auf kommunalpolitischer Ebene. Eine transparente Datenpolitik kann Vertrauen in staatliches Handeln schaffen und bietet die Chance, die Akzeptanz digitaler Technologien in der Bürgerschaft zu stärken.

Offene Daten in der Kommunalverwaltung

Nicht erst seit dem Ausbruch des Coronavirus findet in vielen Kommunen eine intensive Debatte zum Umgang mit aktuell verfügbaren und zukünf­tigen Datenbeständen statt. In dieser Debatte geht es etwa um Fragen zur Datensicherheit und dem Datenschutz, aber auch um den Wettbewerb der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft und um die Haushaltswirkung von öffentlichen Datenstrategien. Ebenfalls geht es darum, mit Hilfe von Best Practices die Umsetzung von Open Data in der Verwaltung voranzubringen und Herausforderungen bei der Umsetzung einer kommunalen Datenstrategie klar zu benennen. In Deutsch­land stellen einige Vorreiterkommunen bereits offene Daten bereit und die Zahl der Kommunen, die ihre Daten als Open Data veröffentlichen, wächst. Darüber, welche Möglichkeiten und Herausforderungen Kommunen mit der Bereitstellung offener Daten ver­binden, wissen wir allerdings noch zu wenig.

Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) hat die Bertelsmann Stiftung im April und Mai diesen Jahres eine bundesweite Umfrage zum Thema Open Data in Kommunen durch­geführt, um mehr über die kommunale Verwendung offener Daten zu erfahren. Gefragt haben wir unter anderem nach dem Stand der Bereitstellung offener Daten, welche Aspekte auf dem Weg zu offenen Daten entscheidend waren und welche Herausfor­derungen mit der Umsetzung kommunaler Open-Data-Konzepte verbunden sind. An der Befragung haben sich 212 Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohner*innen beteiligt.

Der Mehrwert offener Daten in Zeiten von Corona

Neben vielen anderen Aspekten wollten wir von den kommunalen Datenverantwortlichen wissen, ob offene Verwaltungsdaten bei der Eindämmung des Coronavirus –  oder in Zukunft in ähnlichen Fällen – einen Mehrwert liefern können. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kommunen Daten gerade auch in Krisenzeiten inzwischen einen wichtigen Wert zuschreiben. Die Hälfte der Befragten sieht in offenen Verwaltungsdaten einen Mehrwert für die Bekämpfung des Coronavirus. 33 Prozent der Befragten sind unentschieden und nur 17 Prozent sehen in der Nutzung offener Daten zu diesem Zweck keinen direkten Mehrwert (Abbildung 1).abbildung-1-liefern-offene-verwaltungsdaten-bei-der-eind-mmung-des-coronavirus-einen-mehrwert

Die Befragten sind der Meinung, dass der Mehrwert von offenen Daten vor allem darin liegt, aktuelle Informationen zur Gefährdungs­lage (etwa der Ansteckungsrate) bereit zu stellen. Insgesamt knapp die Hälfte der Befragten nennt diesen Aspekt als den wichtigen Mehrwert (Abbildung 2). Einen Überblick über die Versorgungslage in der Kommune sehen 37 Prozent der Befragten als einen weiteren, wichtigen Mehrwert an. Dies zeigt, dass die Versor­gung mit aktuellen Informationen in der Krise eine wichtige Rolle spielt. Die Bereitstellung von Informationen sollte deswegen auf unterschiedlichen Wegen erfolgen, um möglichst viele Bürger*innen zu erreichen. 35 Prozent der Befragten unterstreichen in der aktuellen Situation deshalb die Bedeutung offener Daten für die Entwicklung innovativer, mobiler Apps und Dashboards für die Informationen und Beteiligung der Bürgerschaft.

Abbildung 2

Offene Daten unterstützen die Information und Organisation

Kommunen zeigen in der aktuellen Situation ihre Hilfsbereitschaft – sowohl innerhalb der eigenen Nachbarschaft als auch über die kommunalen Grenzen hinweg. 33 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass offene Daten beim interkommunalen Austausch zur Koordination von Hilfsmaßnahmen unterstützen können, 31 Prozent sehen ihren Mehrwert bei der Organisation der Nachbarschaftshilfe, etwa in Form von Tafeln und Lieferdiensten.

Die Digitalisierung ist in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Schritt für die kommunale Verwaltung. Verwaltungs­prozesse können nutzerfreundlicher gestaltet und die Verwaltung entlastet werden. Offene Daten sollten bei der kommunalen Digitalisierungs- und Datenstrategie von Anfang an mitgedacht werden. Perspektivisch kann sich die Verwaltung durch die Bereitstellung offener Daten stärker für ihre Bürger*innen öffnen und die Transparenz nach außen und innen erhöhen. Diesen Mehrwert sehen auch die Befragten, wenn es etwa um die Einsicht in Informationen zur geleisteten Hilfe und den bereitgestellten Budgets (22 Prozent) oder die Unterstützung bei der Antragsbearbeitung (18 Prozent) geht.

Insbesondere in Zeiten von Corona profitieren Kommunen von der Nutzung offener Daten, sowohl im Hinblick auf eine bessere Information und Organisation in den eigenen kommunalen Grenzen – aber auch über diese hinaus. Daraus ergibt sich die Chance, den Umgang mit offenen Daten in der eigenen Verwaltung schrittweise zu erproben, neue Ansätze und Prozesse zu prüfen und aus der aktuellen Situation entstandene Handlungsmuster zu analysieren, um die für eine Verstetigung notwendigen organisatorischen und kommunalpolitischen Maßnahmen jetzt auf den Weg zu bringen. Dieses und viele weitere Ergebnisse können Sie im Spätsommer nachlesen, wenn die vollständige Studie in unserer Reihe „Analysen & Konzepte“ erscheint.



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