Digitales Arbeite von zuhause.
Eine Frau sitzt vor einem Laptop und hält ein Smartphone in der Hand. Foto: Pixabay
Mitarbeiterfoto Tobias Bürger
Dr. Tobias Bürger
6. April 2020
Corona-Pandemie

Corona-Krise: Kommunen bieten digitale Lösungen an

Geschlossene Schulen, Kindergärten sowie Unternehmen und viele weitreichende Einschränkungen für unser tägliches Leben: Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft aktuell fest im Griff. Doch nach kurzer Schockstarre werden viele Organisationen erfinderisch. In den letzten Wochen wurden viele gute Ideen und Ansätze auf den Weg gebracht, um die Bewohnerinnen und Bewohner von Dörfern, Städten und Gemeinden jetzt ‚digital‘ näher zusammenrücken zu lassen. Der dringende Bedarf an pragmatischen und praktischen Lösungen entfesselt in Städten und Gemeinden eine unerwartete Digitalisierungs-Dynamik.

Not macht digital

Bürgerinnen und Bürger, die in Orten leben, in denen bereits einige Verwaltungsleistungen online angeboten werden, haben es bei der Erledigung von Verwaltungsgängen in der aktuellen Situation leichter. Schnell zeigen sich die Vorteile einer digitalen Verwaltung, wenn vom Gang ins Rathaus abgeraten wird oder dieses gar nicht mehr geöffnet ist.

Einige Monate früher als geplant öffnete allerdings das „digitale Rathaus“ der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte in Sachsen-Anhalt, in dem sich die Verwaltungsprozesse nun vollständig digital erledigen lassen. Ob Hundeanmeldung oder die Anzeige von Veranstaltungen – im digitalen Rathaus gehen Anträge nun papierlos auf den Weg. Wichtig ist dem dortigen Bürgermeister Andreas Brohm, dass im digitalen Arbeitsprozess keine Medienbrüche stattfinden – also an keiner Stelle im Prozess auf Papier zurückgegriffen wird – und dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im digitalen Rathaus auch in Zeiten der Corona-Krise für die Belange der Bürgerinnen und Bürger da sind.

Infos zur Corona-Krise vom Chatbot

Neben der digitalen Verwaltung geht es in der Corona-Krise aber auch um die Bereitstellung aktueller Informationen. Länder, Städte und Gemeinden wollen ihre Bürgerinnen und Bürger mit Nachrichten rund um das Coronavirus verlässlich informieren. Während etwa die Landesregierungen von Hessen, dem Saarland und Baden-Württemberg Hinweise und Updates zur aktuellen Lage im jeweiligen Land über Messenger wie Threema oder Telegram versenden, geht der Kreis Soest noch einen anderen Weg.

Ein Chatbot, der sowohl auf der Website als auch der Facebook-Seite des Kreises präsent ist, verarbeitet aktuelle Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und kombiniert diese mit einer umfangreichen Dialog-Datenbank, um den Nutzern ein möglichst natürliches Chaterlebnis zu bieten. Der aus den Nutzereingaben lernende Chatbot soll vor allem die Stadtmitarbeiter*innen bei der Bewältigung von Informationsanfragen unterstützen.

Corona-Krise: DorfFunk nun in ganz Rheinland-Pfalz

Auch der Austausch mit den Nachbarn bleibt in Zeiten von Corona auf der Strecke. Dabei gibt es bereits digitale Lösungen, die die Kommunikation zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Kommune fördern. Eine dieser Lösungen ist der DorfFunk, über den sich Nachrichten, Veranstaltungen, Angebote und Gesuche sowie tagesaktuelle Informationen in eigenen Gruppen direkt austauschen lassen. Bereits in mehreren Kommunen wird dieser erfolgreich eingesetzt. Mit dem DorfFunk und den DorfNews hat das Projekt „Digitale Dörfer“ des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) seit 2015 bereits zwei Lösungen in Betrieb genommen.

Aufgrund des erhöhten Bedarfs an lokalen Kommunikationslösungen hat das Land Rheinland-Pfalz nun entschieden, die beiden Anwendungen DorfFunk und DorfNews für Kommunen ab sofort kostenfrei anzubieten. In Ovenhausen in Nordrhein-Westfalen nutzen Bürgerinnen und Bürger bereits die App. Groß ist das Interesse auch in den Nachbargemeinden im Kreis Höxter.

„Hacken“ auf der Bundesebene

Gute Lösungen für Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus werden zurzeit auf vielen verschiedenen Ebenen angestoßen. Mit dem bundesweiten Hackathon „WirVsVirus“ unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramtes und initiiert von Code for Germany, der Initiative D21, dem Prototype Fund und weiteren Organisationen wurde sprichwörtlich „Neuland“ betreten. Denn anders als üblich, wurde dieser Hackathon zu 100% digital organisiert und durchgeführt. Nebenbei wurde wahrscheinlich noch ein Weltrekord aufgestellt: WirVsVirus ist bis dato der weltweit größte Hackathon.

Rund 42.000 Anmeldungen konnten die Organisatoren binnen einer Woche vermelden. An der 48-stündigen Veranstaltung vom 20.-22. März nahmen letztlich rund 28.000 Programmierer*innen, Designer*innen, Expert*innen und Mentor*innen teil. Zwar war die Freude der Organisatoren über die vielen Anmeldungen hoch, doch mussten deshalb kurzfristig die Mittel und Wege für die Zusammenarbeit einer so großen Teilnehmerzahl aufgestockt und neu geordnet werden. Letztlich blieb einigen Teilnehmer*innen nichts anderes übrig, als eine längere Wartezeit in Kauf zu nehmen, um dann doch noch auf die online bereitgestellten Datenbanken und Kommunikationskanäle zugreifen zu können.

Aus den rund 1.900 eingereichten Ideen entstanden letztlich 1.498 Lösungen in den Bereichen Gesundheit, Verwaltung, Ernährung, Fürsorge und Bildung. Aufgabe eines jeden Teams war es unter anderem, zum Ende des Hackathons die teilweise umgesetzte Idee in einem kurzen Video vorzustellen. 1.221 Projekte erreichten diesen Meilenstein. Zu den von den Juror*innen ausgezeichneten Lösungen zählen etwa die Website „U:DO“, die als digitaler Assistent zur Beantragung von Kurzarbeitergeld den Benutzer durch den Antragsprozess führt oder die Plattform Machbarschaft, die es älteren Menschen ohne Internetzugang ermöglicht, per Telefonanruf Anfragen an Nachbar*innen mit Smartphone und Internetzugang weiterzuleiten. Die Lösungen lassen sich an vielen digitalen Orten nutzen – ob in der Stadt oder auf dem Land.

Lösungen mit dem Fokus auf Kommunen

Einige der beim Hackathon entwickelten Ansätze beziehen sich ganz konkret auf die Problemlösung in Kommunen, wie etwa die Entwicklung eines kommunalen Infohub, in dem Informationen institutionenübergreifend gebündelt und visualisiert werden können, um geeignete Maßnahmen einleiten zu können.

 



 

Während einige Ansätze noch in der Entwicklungsphase stecken, sind Lösungen wie lokalwirkt.de schon jetzt online verfügbar. Die Datenbank enthält aktuelle Öffnungs- und Lieferzeiten lokaler Geschäfte, welche sich über OpenStreetMap visuell darstellen und suchen lassen. Anders als bei vergleichbaren Portalen verfügt die Lösung über eine Schnittstelle und basiert auf offenen Daten.

Nun geht es unter anderem darum, gute Lösungen zu verstetigen, indem Organisationen und Unternehmen digitale Lösungen unterstützen und bis zur erfolgreichen Umsetzung begleiten. Die Corona-Krise wird dabei zu einem Treiber der Digitalisierung, sei es in der Verwaltung, den Schulen oder dem Arbeitsplatz. Die vielen Ansätze zeichnen das Bild einer aktiven und engagierten Gesellschaft, in der Menschen, über Hürden wie Geographie und Isolation hinweg, das Internet und digitale Tools nutzen, um gemeinsam Lösungen für ein gesundes und soziales Miteinander in Zeiten der Corona-Krise zu erarbeiten.

Titelfoto: Pixabay

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