Eine Hand hält einen alten Wecker hoch. Der Wecker bedeckt den Großteil des Bildes. Im Hintergrund ein langer, vertäfelter Gang.

Wie Städte mit Open Data in der Verwaltung Zeit sparen können

Was hindert Kommunen in Deutschland daran, sich dem Thema Open Data verstärkt zu widmen? Ein Argument, das häufiger ins Feld geführt wird, ist der Aufwand, der in der Verwaltung betrieben werden muss, um offene Daten bereitzustellen. In diesem Zusammenhang ist ein Blick in die USA interessant. Dort hat die Sunlight Foundation herausgefunden, dass eine ambitionierte Open-Data-Strategie in den Städten dazu führt, dass deutlich weniger Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen eingehen und die Verwaltung auf mittel- und langfristige Sicht sogar Zeit und Aufwand einspart. Der folgende Text ist eine Übersetzung des englischen Originalartikels von Alena Stern.

 

Die Veröffentlichung von offenen Daten reduziert die Zahl der Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG)*, die Städte (in den USA) erhalten, erheblich. Dies wird bei einem Vergleich mit Städten deutlich, die keine offenen Daten zur Verfügung stellen. Dies war das wichtigste Ergebnis einer Studie, die ich Anfang dieses Sommers durchgeführt habe, um den Zusammenhang zwischen Open-Data-Strategien und den Gesetzen zur Informationsfreiheit zu verstehen. Ich fand heraus, dass die durchschnittliche Anzahl der IFG-Anfragen, die Städte erhalten, im Laufe der Zeit deutlich zunimmt und dass Städte Zeit und Geld sparen könnten, indem sie eine Open-Data-Strategie erarbeiten und darin investieren, sie im Laufe der Zeit zu verbessern.

Ein Ergebnis meiner Recherchen ist, dass die Stadtverwaltungen angesichts einer landesweit zunehmenden Anzahl von IFG-Anfragen Ressourcen für die Erarbeitung von Open-Data-Strategien und den Aufbau robuster Datenportale bereitstellen sollten. Der Zugang zu Informationen ist ein demokratisches Grundrecht. Das proaktive Bereitstellen von Informationen bringt den Städten Vorteile. Somit ist klar, dass die Verwaltung Daten, die von öffentlichem Interesse sind, proaktiv veröffentlichen sollte.

Meine ersten Forschungsfragen sollten klären, ob Informationsfreiheit und offene Daten untrennbar zusammengehören oder ob sie Silos sind. Durch die Zusammenarbeit mit Städten in den gesamten USA hat das Sunlight Open-Cities-Team wahrgenommen, dass auch Städte mit begrenzten Ressourcen den Bürgern einen zügigen und umfassenden Zugang zu öffentlichen Informationen bieten wollten. Dazu müssten die Städte den Zusammenhang zwischen diesen beiden Kanälen der öffentlichen Information verstehen.

Um die Forschung durchzuführen, sammelte ich 236.616 historische IFG-Anfragen aus 52 mittelgroßen Städten in den USA, die bis Oktober 2009 zurückreichen. Ich habe untersucht, ob die Einführung von Open Data in der Verwaltung die Anzahl der monatlich eingehenden IFG-Anfragen signifikant beeinflusst hat und ob die Qualität der Open-Data-Strategie einer Stadt die Ergebnisse beeinflusst hat. Ich habe außerdem den Text von 110.063 IFG-Anfragen aus den 33 Städten in unserer Stichprobe analysiert, um zu verstehen, welche Arten von Informationen von den Bürgern am häufigsten angefordert werden und ob sich dies ändert, wenn Städte offene Daten zur Verfügung stellen.

Ergebnis #1: Die Einführung von Open Data reduziert die Anzahl der IFG-Anfragen in Städten

Eine wichtige und frühzeitige Entdeckung in unserer Studie war, dass die Zahl der IFG-Anfragen, die Städte erhalten, mit der Zeit zunimmt. Das durchschnittliche IFG-Anfragevolumen ist von ca. 33 Anfragen pro Monat im Jahr 2011 auf 188 pro Monat im Jahr 2018 gestiegen. Die Ursache für diesen Anstieg kenne ich nicht. Ich habe aber festgestellt, dass die Einführung von Open Data einen Rückgang der IFG-Anfragen um etwa 30% pro Monat im Vergleich zur Kontrollgruppe verursacht hat. Mit anderen Worten: die proaktive Offenlegung öffentlicher Informationen scheint eine der besten Möglichkeiten für die Städte zu sein, um effektiv auf die wachsende Nachfrage nach öffentlichen Informationen zu reagieren. Die Vielfalt der Städte, die in der Studie untersucht wurden (14 Staaten in den USA wurden abgedeckt, die Bevölkerungszahlen reichen von 18.749 bis 850.282) zeigt, dass diese Ergebnisse auf viele unterschiedliche Städte übertragen werden können. [Letzter Satz des Abschnitts wurde nicht übersetzt].

Ergebnis #2: Städte, die eine ambitionierte Open-Data-Strategie verfolgen, registrieren eine stärkere Reduzierung der IFG-Anfragen

Bei der Bewertung der Open-Data-Politik der Städte wollte ich ein Maß für die Qualität der offenen Daten aufnehmen, um festzustellen, ob Städte, die einen umfassenderen Open-Data-Ansatz verfolgen, eine stärkere Reduzierung der IFG-Anfragen erfahren. Die Qualität der Open-Data-Politik lässt sich in zwei Dimensionen fassen: erstens, ob die Open-Data-Strategie der Stadt robust ist. Dies definiere ich als konform mit der Mehrheit der Open-Data-Richtlinien der Sunlight Foundation; und zweitens, ob das Open-Data-Portal der Stadt robust ist. Dies ist dann der Fall, wenn das Portal drei der am stärksten nachgefragten offenen Datensätze (Kriminalität, Budget und Ausgaben) bereitstellt.

Durch die Einbeziehung dieser Qualitätsmerkmale in unser Modell habe ich festgestellt, dass die Einführung eines Open-Data-Portals allein keine signifikante Reduzierung des IFG-Anfragevolumens bewirkt. Die Implementierung eines robusten Open-Data-Portals hingegen verringert das Volumen um 33 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Einführung einer robusten Open-Data-Politik hat den größten statistisch signifikanten Einfluss auf das IFG-Anfragevolumen und verringert die monatlichen IFG-Anfragen pro 10.000 Einwohner um 43% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Ergebnisse bestätigen Best Practices im Bereich der offenen Daten: Die freigegebenen Daten sollten auf die Nachfrage der Community abgestimmt werden. Städte können stark nachgefragte Datensätze identifizieren, indem sie beliebte Datensätze in anderen Städten analysieren oder indem sie die in unserem Whitepaper beschriebene Methodik anwenden, um zu analysieren, welche Arten von Informationen die Bürger über IFG-Anfragen anfordern. Die Einführung eines Open-Data-Portals wird sich erst dann auf das Volumen der IFG-Anfragen auswirken, wenn die Stadt genügend offene Daten zur Verfügung stellt, die den Bedarf an IFG-Anfragen überflüssig machen.

Ergebnis #3: Geduld ist wichtig, wenn es darum geht, die Wirkung von Open Data zu bewerten

Ich habe analysiert, ob sich der Effekt von Open Data im Laufe der Zeit ändert und festgestellt, dass der Effekt jedes Jahr wächst. Ich habe das IFG-Anfragevolumen zwischen 2015-2018 betrachtet und festgestellt, dass das Ausmaß des Effekts von Jahr zu Jahr zunimmt und dass der marginale Effekt 2018 doppelt so groß ist wie 2017. Tatsächlich wurde der Effekt erst 2018 statistisch signifikant.

Ich habe auch herausgefunden, dass eine Stadt mit jedem weiteren Monat, den sie eine Open-Data-Strategie verfolgt mit 4 IFG-Anfragen weniger als im Vormonat rechnen kann (im Vergleich zur Kontrollgruppe). Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Open-Data-Strategien erst reifen müssen. Es braucht Zeit, bis die Bürger die offenen Daten auch wirklich nutzen. Diese Entwicklung kann z.B. dadurch gesteuert werden, dass Städte ihre Open-Data-Strategie verfeinern indem sie mehr offene Daten veröffentlichen, Öffentlichkeitsarbeit betreiben und die Bürgerinnen und Bürger besser mit einbeziehen.

[Letzter Absatz des Originalartikels weggelassen]

 

* Im englischen Originaltext ist die Rede von „Public Record Requests“, die auf Basis des Freedom of Information Acts erfolgen. Dies ist vergleichbar, wenn auch nicht deckungsgleich, mit Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz in Deutschland. Für eine bessere Lesbarkeit wird im Folgenden „Public Record Requests“ immer mit IFG-Anfragen übersetzt.

Dieser Artikel ist eine deutsche Übersetzung des Artikels „Research: Cities can save time on record requests by doing open data right

Der Original-Artikel von Alena Stern ist erschienen unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

Übersetzung: Mario Wiedemann

Foto: Tristan Gassert/unsplash.com


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