Eine Kleinfamilie spaziert mit einem Kleinkind in einem Park.

Smart Cities: In kleineren Städten fühlen sich Menschen wohler

Die Urbanisierung schreitet voran – auf der Welt, in Europa und in Deutschland. Daraus ergeben sich für Politik und Gesellschaft zahlreiche Herausforderungen. Die Mietpreise steigen, die Infrastruktur ist an manchen Orten bereits überlastet. Ob Menschen in Städten aber tatsächlich glücklicher leben als auf dem Land, ist fraglich. Zu diesem Schluss kommt die empirische Arbeit „Smart Cities in Europa: Entwicklung von zwei Indizes und ökonometrische Analyse“ (pdf, Englisch).

Wenn objektive Kriterien zur Mobilität, Wirtschaft oder sozialem Zusammenhalt statistisch eigentlich positiv auf Lebensqualität einer Stadt einzahlen, heißt das nicht automatisch, dass die Bewohner dies auch subjektiv so empfinden. Im Vergleich von 65 europäischen Städten liegt beispielsweise Prag nach objektiv erhobenen Kriterien auf dem ersten Platz. In der Bevölkerungsumfrage liegt die tschechische Hauptstadt dagegen auf dem 34. Platz. Andere Städte wie München, Luxemburg oder Graz werden hingegen objektiv und subjektiv ähnlich wahrgenommen.

Gefühle der Bürger versus objektive Fakten

In der Bevölkerungsumfrage wurden die Empfindungen der Befragten erfasst. Zu den 19 Indikatoren zählten etwa Fragen nach dem Sicherheitsempfinden innerhalb der Stadt, Zufriedenheit mit Grünflächen oder die Frage, wie einfach man in der Stadt einen Job findet. Die Daten wurden der „European Urban Audit“ aus dem Jahr 2015 entnommen.

Als objektive Kriterien wurden vergleichbare Messwerte verwendet, darunter etwa die PM10-Konzentration, welche sich auf die Feinstaub-Belastung bezieht. Im Bereich Infrastruktur wurde beispielsweise die Internetqualität erfasst, im sozio-kulturellen Bereich die Ärzteversorgung pro Einwohner oder der Anteil der Menschen, die in Armut leben. Die 73 objektiven Indikatoren stammen aus den Datenbanken verschiedener EU-Institutionen. Sie umfassen alle Dimensionen, in denen eine Smart City eine gute Performance aufweisen sollte: Infrastruktur & Mobilität, Lebensverhältnisse & Sozialer Zusammenhalt, Wirtschaft & Governance sowie Umwelt & Nachhaltigkeit.

Gutes Angebot in Smart Cities

Tendenziell bewertet die Bevölkerung das Stadtleben subjektiv positiv, wenn auch die objektiven Kriterien auf die Stadt einzahlen. Wenn es beispielsweise viele Museen pro 100.000 Einwohner gibt, dann bewerten die Einwohner das Kulturangebot in der Regel auch positiv.

Dabei schneiden gerade kleinere Städte subjektiv besser ab. Größere Städte sind jedoch objektiv gemessen smarter. Es ist es naheliegend, dass größere Städte objektiv gesehen bei Indikatoren wie der Verfügbarkeit von Verkehrsmitteln bessere Karten haben. Dahingegen kann die Unzufriedenheit mit diesen Faktoren aufgrund von Verspätungen oder Überfüllung gleichzeitig höher sein. Diese Argumentation lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen. Kurzum: Große Städte sorgen für mehr Verfügbarkeiten, aber können in ähnlichem Maße die Bevölkerung auch unter Druck setzen.

Auf einem Bahnsteig warten zahlreiche Menschen auf den nächsten Zug.

Negativer Einfluss der Bevölkerungsdichte

Eine hohe Bevölkerungsdichte hat der Studie zufolge einen negativen Einfluss sowohl auf das subjektive Empfinden als auch auf die objektiven Kriterien. Möglicherweise wurde die Bevölkerungsdichte in den betrachteten Städten nicht identisch gemessen. Klar ist allerdings: Die Nachverdichtung von Städten, auch wenn in gewissem Ausmaß sicherlich unumgänglich, kann hinsichtlich der Zufriedenheit von der Bevölkerung und deren Versorgung mit Gütern nicht der Heilige Gral sein. Ein anderer Ansatz könnte darin bestehen, den ländlichen Raum attraktiver zu machen. Da reichen Kampagnen wie #Dorfkinder nicht aus. Unter anderem sind massive Investitionen in die Infrastruktur notwendig.

Dieser Artikel ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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